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Interview
Zwischen Garten, Gebet und Genuss: Ein Blick in die Küche des Klosters Helfta
Was kommt im Kloster Helfta auf den Tisch? Priorin Schwester Katharina erzählt im Interview, wie die heute vier Zisterzienserschwestern in Helfta zwischen regionaler Gartenküche, Ordensregel, Fastenzeiten und stillen Ritualen eine bewusst schlichte Esskultur leben.
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Schwester Katharina in der Küche des Klosters Helfta
Landesheimatbund (LHB): Gibt es eine traditionelle Zisterzienserküche?
Schwester Katharina: Eine „Zisterzienserküche“ gibt und gab es nicht. Unsere Klöster wurzelten sich in die Region ein, in der sie gegründet wurden, und haben damit sicher auch die Küche der jeweiligen Tradition innerhalb kurzer Zeit übernommen. Während der ersten Jahrhunderte des Ordens wurde von den Zisterzienserinnen und Zisterziensern allerdings auf das Fleisch vierfüßiger Tiere verzichtet, wie es in der Benediktsregel steht. Ausnahmen davon gab es nur für die Kranken. Aber diese Regel weichte immer mehr auf, wegen Seuchen, Knappheit an Fisch in manchen Regionen und einem allgemeinen Nachlassen der Strenge der Ordensdisziplin. Das war aber auch regional verschieden.
LHB: Welche regionalen oder klosterspezifischen Zutaten prägen die Küche im Kloster Helfta?
Schwester Katharina: Vor allem beim Obst (Äpfel, Birnen, Aprikosen, Pfirsiche, Kirschen, Kiwi, Weintrauben, Quitten), aber soweit es geht auch beim Gemüse (Tomaten, Zucchini, Salat, Rote Beete) essen wir in Präferenz, was bei uns im Garten wächst. Im Sommer freut man sich an der Überfülle und Vielfalt des Obstes, das der Garten uns schenkt, wohingegen im Winter weniger Abwechslung und Fülle davon ist. Beim Einkauf achten wir darauf, dass Obst und Gemüse regionalen Ursprungs sind. In den Klöstern unseres Ordens wird nach der jeweils regionalen Tradition gekocht; sicher färbt die Herkunft der Schwester, die kocht, aber auch die Gerichte oder die Art zu würzen!
LHB: Wie ist der Küchendienst in Ihrem Kloster organisiert?
Schwester Katharina: Es kocht immer dieselbe Schwester. Die Küchenschwester schaut, dass möglichst viel Abwechslung und Ausgewogenheit herrscht, da spielt es keine Rolle, was sie gerne kocht. Abends ist eine andere Schwester verantwortlich fürs Abendessen, das ist aber kalt. Da gibt es Brot mit Käse, manchmal Wurst und Salat.
LHB: Gibt es Speisen, die traditionell an Feiertagen im Kirchenjahr in Ihrem Kloster zubereitet werden?
Schwester Katharina: Prinzipiell kochen wir an Feiertagen festlicher, aber feste Traditionen gibt es nicht. Es ist keine Katastrophe, wenn es an Weihnachten keine Weihnachtsgans gibt – der Festinhalt ist ja nicht das Essen! Zum letzten Weihnachtsfest gab es, glaube ich, Klöße, Blaukraut und irgendein Fleisch in Soße.
LHB: Wie spiegelt sich die Bedeutung der Fastenzeit in der Klosterküche wider?
Schwester Katharina: Wir essen einfacher, manche auch weniger, je nach Kloster auch fleischlos. Im 19. Jahrhundert spaltete sich an der Frage der Fleischabstinenz sogar der Orden in die „Strenge Observanz“ und die „Allgemeine Observanz“. Heute ist es so, dass wir mittwochs und freitags kein Fleisch essen, auch sonst eher fleischarm leben. In manchen Klöstern wird auch während der Advents- und Fastenzeit auf Fleisch verzichtet. Die „Strenge Observanz“ verzichtet nach wie vor vollständig auf Fleischspeisen.
LHB: Wie erleben Sie selbst den Übergang zwischen Zeiten des bewussten Verzichts und Zeiten des Feierns?
Schwester Katharina: Wenn man bewusst auf etwas verzichtet hat, sind die Freude und der Geschmack an Schokolade oder Fleisch erneuert, dann schmeckt es wieder „ganz neu“. Auch wird man sich wieder bewusst, dass wir mehr sind als das, was wir essen.
LHB: Gibt es in Ihrer Gemeinschaft Rituale oder Traditionen rund um das gemeinsame Essen?
Schwester Katharina: Wir beten vor und nach dem Essen, während der Mahlzeit ist eine Tischlesung, damit man sich nicht nur körperlich ernährt, sondern auch geistig bzw. geistlich. Wir zeichnen ein Kreuz auf den Brotlaib, bevor wir ihn anschneiden, als Zeichen des Segens.
LHB: Gibt es ein Gericht, das Ihnen besonders am Herzen liegt, weil es eine persönliche Geschichte erzählt? Welches?
Schwester Katharina: Im Kloster lernt man, das gerne zu essen, was es gibt. Im Allgemeinen machen wir uns wenig Gedanken über Gerichte, wobei es natürlich für die Schwestern schon eine Freude ist, wenn es an ihrem Namenstag ein Gericht gibt, das sie gerne mag – Ausdruck der liebevollen Feinfühligkeit der Küchenschwester! Unsere jüngste Schwester isst beispielsweise gerne Bratkartoffeln mit Zwiebel, die gab es im September zu ihrem Namenstag.
