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Zwischen Feiern und Fasten – Genuss und Verzicht in religiösen Bräuchen
In den Monaten Februar und März liegen derzeit in vielen Religionen Genuss und Verzicht dicht beieinander. Feste, gemeinsames Essen und Ausgelassenheit wechseln sich mit Zeiten des Innehaltens und der Enthaltsamkeit ab.
In den christlichen Konfessionen beginnt – je nach Kirchenkalender – die Fastenzeit zur Vorbereitung auf das Leiden, Sterben und die Auferstehung Jesu. Unmittelbar davor wird jedoch noch einmal ausgiebig gefeiert: Fasching und Fastnacht stehen für Verkleidung, Umzüge, üppiges Essen und fröhliches Miteinander. Der Name Karneval verweist auf den Abschied vom Fleisch (Latein: „carne vale“). Auch wenn der religiöse Ursprung für viele Menschen in den Hintergrund getreten ist, bleibt Karneval ein fester Bestandteil des kulturellen Kalenders, etwa auch in Sachsen-Anhalt. Die anschließende Fastenzeit nutzen viele heute unabhängig von Religion für bewussten Verzicht, etwa auf bestimmte Lebensmittel oder soziale Medien.
Im Islam steht im Ramadan zunächst der Verzicht im Mittelpunkt. 2026 beginnt er in Deutschland am Abend des 18. Februar. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang essen und trinken gläubige Musliminnen und Muslime nicht. Umso wichtiger sind das gemeinsame Fastenbrechen am Abend und das Fest des Fastenbrechens (Eid al-Fiṭr, Zuckerfest) ab dem 20. März, das von Besuchen, Geschenken und festlichem Essen geprägt ist. Da sich der Ramadan nach dem Mondkalender richtet, verschiebt er sich jedes Jahr. So wird es 2030 tatsächlich zwei Ramadan-Monate geben – einen zu Beginn des Jahres im Januar/Februar und einen im Dezember.
Auch im Judentum orientieren sich viele Feste an den Mondphasen. Im Frühjahr fallen nach dem gregorianischen Kalender (also dem in Westeuropa gebräuchlichen) unter anderem Purim und Pessach. Vor Purim fasten viele Gläubige 24 Stunden lang, zur Erinnerung an das Fasten der Königin Esther. Das Fest selbst wird dann ausgelassen mit Kostümen, Lärm und gutem Essen gefeiert.
