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Wenn Engagement Geschmack bekommt

Ausgabe

Sachsen-Anhalt-Journal - „Genuss“ (Nr. 1, 2026)

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Themen

Dorfmitte & Soziokultur Fest & Tradition Geschichte Heimatforschung & Ortschronik

Zwei Initiativen des Arneburger Kultur- und Heimatvereins zeigen, wie Gemeinschaft lebendig wird.

Manchmal entstehen die besten Ideen nicht am Reißbrett, sondern auf einer Bank. Eine kleine Runde aus Nachbarn und Freunden traf sich – je nach Wetterlage – regelmäßig auf einer Bank vor einem Haus in Arneburg. Gespräche über das Leben in der Stadt, über Vereine und ehrenamtliches Engagement prägten diese Treffen. Als Vorsitzender des Arneburger Kultur- und Heimatvereins im Altmärkischen Heimatbund e. V.war ich gern Teil dieser Runde. Bei den Gesprächen wurde mir schnell klar: In Arneburg gibt es viele engagierte Vereine, deren Arbeit jedoch oft im Verborgenen bleibt. Daraus entstand 2024 die gemeinsame Idee, diese Vereine sichtbar zusammenzuführen und ihnen eine Bühne zu geben.

Inspiriert von regionalen Festen wie dem Pflaumenmusfest im benachbarten Goldbeck entstand der Gedanke, etwas Eigenes für Arneburg zu schaffen, etwas, das Genuss, Geselligkeit und Vereinsleben verbindet. Die Idee des Kesselgulaschwettbewerbs war geboren: Jeder teilnehmende Verein kocht seinen eigenen Gulasch, alle gemeinsam an einem Ort.

Wie wird es schmecken? Hier gilt nicht, viele Köche verderben den Brei.

Schnell signalisierten die Vereine ihre Teilnahme, Genehmigungen wurden eingeholt, Kessel und Feuerholz organisiert. Diese wurden großzügig von einem regionalen Unternehmer gesponsert, ebenso wie die Preise. So fand im Oktober 2024 der erste Gulaschwettbewerb statt.

Sieben Vereine nahmen teil. Vier Stunden lang brodelte es in den Kesseln. Eine Jury aus dem Publikum kürte schließlich die Sieger. Die Resonanz war überwältigend: Viele Gäste zeigten sich begeistert und wünschten sich eine Fortsetzung.

2025 folgte die Neuauflage. Die Stimmung war ungebrochen. Wieder wurden Sieger geehrt, wieder erhielt jeder Teilnehmende eine Medaille. Und wieder war deutlich zu spüren, was möglich wird, wenn Ehrenamt und Genuss Hand in Hand gehen. Auch im kommenden Oktober sollen die Kessel erneut brennen. Für uns ist der Wettbewerb ein lebendiges Zeichen dafür, wie viel Kraft im Miteinander liegt.

Rittergelage zwischen Kerzenschein und Harfenklang

Ganz anders, aber nicht minder eindrucksvoll. Als ich gemeinsam mit einem regionalen Unternehmer die Galerie und den alten Festsaal im Rathaus der Stadt Arneburg betrat, kamen sofort Gedanken an lange Tafeln, Kerzenschein, Gelächter und gemeinsames Schlemmen auf.

Aus diesem Gefühl heraus entstand die Idee, ein Ritteressen ins Leben zu rufen. Was folgte, war Planung mit Herzblut. Aus Ideen wurden Rollen, aus Rollen Charaktere: Mägde und Ritter, ein Hofnarr und ein König. Für Speis und Trank erklärte sich der Betreiber der Burggaststätte bereit, das mittelalterliche Gelage auszurichten.

Zum Genuss gehört mehr als gutes Essen, beispielsweise Musik. Nach längerer Suche gelang es, einen Musiker zu finden, der mit einer Leier für mittelalterliche Klänge sorgen sollte.
Kurz vor dem großen Tag schien das Schicksal uns noch einmal prüfen zu wollen. Der König musste krankheitsbedingt absagen und auch der Musiker fiel kurzfristig aus. Für einen Moment stand alles auf der Kippe. Doch noch am selben Abend fand sich Ersatz. Ich sprang als neuer König ein und eine Harfenspielerin stand bereit.

Als der Abend begann, nahmen 60 Gäste an der festlich gedeckten Tafel Platz. Kerzenschein flackerte, die Harfe erfüllte den Raum mit warmen Klängen und bald schon lag der Duft köstlicher Speisen in der Luft. Gelacht wurde viel, nicht zuletzt dank des Hofnarren, der mit seinen Späßen für heitere Momente sorgte. Es wurde geschlemmt, getrunken, genossen – ein Gelage, das sich bis spät in den Abend zog. Immer wieder hörten wir denselben Wunsch: Dieses Fest müsse wiederholt werden. Ein schöneres Kompliment kann es kaum geben. Eine Neuauflage ist fest geplant.

Der König Lothar Hinz

Die Ritter Andy und Helmut mit den Mägden bedienen die Edelleute