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Vom Scan zum DOI (Digital Object Identifier)

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Konnex - „Zeitschrift für Regional- und Heimatforschung Sachsen-Anhalt“ (Nr. 3, 2026)

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Bibliothek & Lesestube Geschichte Heimatforschung & Ortschronik Heimatstube & -museum

Mobile Digitalisierung und Langzeitverfügbarkeit lokaler Chroniken in Sachsen-Anhalt

Lokale Chroniken sind faszinierende, aber auch sehr heterogene Geschichtsquellen. Auf die Gegenstände bzw. Themen bezogen, von denen solche Chroniken handeln, lassen sich grob Orts- und Kirchenchroniken sowie Schul- und Vereinschroniken voneinander unterscheiden. Kennzeichnend für zahlreiche Chroniken ist, dass sie einerseits in zeitlicher Reihenfolge über historische Vorgänge berichten und sie andererseits oft unter Mitwirkung verschiedener Personen über einen längeren Zeitraum fortgeführt werden.

Das Schreiben von Chroniken ist kein Phänomen des 19. Jahrhunderts; schon in der Antike und im Mittelalter wurden wichtige Ereignisse jahrweise festgehalten. Allerdings sind nach dem Ende der napoleonischen Herrschaft unter anderem in Preußen Bestrebungen nachweisbar, das Verfassen solcher Chroniken – statt wie bisher auf städtischer Ebene – auch in den Gemeinden zu institutionalisieren, um auf diese Weise „das Besondere, nur für den einzelnen Ort Wichtige“ ebenso festzuhalten.1 Daneben entstand ein breites bürgerschaftliches Engagement für die Erforschung der lokalen Vergangenheit.2 Für die DDR ist ebenfalls eine staatliche Chronikpolitik unter Einbeziehung des Kulturbundes nachweisbar. 3 Nach der deutsch-deutschen Wiedervereinigung wurden in den neuen Bundesländern schließlich von den Kommunen selbst häufig Chronikprojekte im Rahmen von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen initialisiert.4 Viele der in diese Projekte eingebundenen Personen blieben weit über den Zeitraum der Maßnahmen als Ortschronisten aktiv.

Die Zahl der seit dem 19. Jahrhundert verfassten lokalen Chroniken auf dem Gebiet des heutigen Sachsen-Anhalts lässt sich nicht zuverlässig beziffern. Wesentlich ist, dass gedruckte und publizierte – und damit tatsächlich öffentliche – Ortschroniken nur einen Teil des Quellenbestandes ausmachen. Ein bisher nicht quantifizierbarer Teil dieses Bestandes bilden handschriftliche bzw. maschinenschriftliche, mithin nicht publizierte Werke, von denen viele nie den Weg in ein lokales Archiv gefunden haben. Stattdessen ist davon auszugehen, dass ein erheblicher Teil der noch existierenden lokalen Chroniken in privaten Haushalten oder Vereinsarchiven aufbewahrt wird.5 Dabei handelt es sich nicht nur um nach 1990 entstandene Chroniken, sondern immer wieder auch um Werke des 19. Jahrhunderts und der Zeit davor. Diese Quellen sind häufig der allgemeinen Öffentlichkeit entzogen und stehen somit interessierten Laien sowie Forscherinnen und Forschern nicht zur Verfügung. Die Gefahr des Kulturgutverlustes ist hier mitunter akut, einerseits durch unsachgemäße Lagerung, andererseits durch Zerstörung, wenn der Wert der Quellen infolge etwa eines Generationenwechsels in Vergessenheit gerät und Nachfahren ihren Wert nicht erkennen.

Die Genese des Projektes

Um den nicht publizierten Ortschronikbestand Sachsen-Anhalts zumindest digital zu erhalten und zugänglich zu machen, entstand 2021 eine Kooperation zwischen dem Landesheimatbund Sachsen-Anhalt e. V., dem Museumsverband Sachsen-Anhalt e. V., dem Historischen Datenzentrum Sachsen-Anhalt an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und dem Institut für Landesgeschichte am Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt mit dem Ziel, die Ortschroniken des Landes zu ermitteln, zu digitalisieren, inhaltlich zu erschließen und digital zu publizieren. Zur praktischen Umsetzung des Vorhabens schaffte der Museumsverband Sachsen-Anhalt, unterstützt durch eine finanzielle Förderung vom Land Sachsen-Anhalt, einen mobilen Buchscanner vom Typ Bookeye 5V3 an, der seither im Einsatz ist.

Buchscanner

Der Archiv- und Buchscanner Bookeye 5 V3 gehört zur neuesten Generation von Hochleistungsscannern. Scanner dieser Art finden in Institutionen wie Bibliotheken, Archiven und Museen Verwendung, in denen quantitativ große Datenmengen nach hohen und höchsten Standards gescannt werden sollen. Es ist daher möglich, Bücher oder Ordner von mehreren hundert Seiten in kurzer Zeit auf qualitativ hohem Niveau zu scannen. Die intuitive Bedienung des transportablen Scanners macht ihn zugleich niederschwellig verwendbar.

Abb. 1

Der Archivbuchscanner Bookeye 5V3 aufgebaut in der Geschäftsstelle des Landesheimatbundes Sachsen-Anhalt e. V.

Die Aufstellung des Scanners erfolgt überwiegend in lokalen Museen, in Ausnahmefällen auch in anderen Institutionen auf kommunaler Ebene, die eine sichere Unterbringung sowie öffentliche Zugänglichkeit ermöglichen können. Die ausleihenden Institutionen ebenso wie die Heimatforscherinnen und Heimatforscher der Region haben während des Aufstellungszeitraums die Möglichkeit, ihre Materialien zu digitalisieren. Inhaltliche Vorgaben werden dabei nicht gemacht, allerdings werden die Nutzerinnen und Nutzer gebeten, digitalisierte Ortschroniken den genannten Kooperationspartnern zur Weiterverarbeitung zur Verfügung zu stellen. Zur fortlaufenden Evaluierung wird zudem eine Übersicht des digitalisierten Kulturguts erbeten. Daneben erreichen digitalisierte Ortschroniken die Projektpartner auch auf anderen Wegen. Entscheidend ist die Qualität des Scans.

Parameter/Anforderung an das Scangut

– Scan mit 300 dpi bei einer Mindestzeichengröße von 1,5 mm (ansonsten 400 dpi). – Noch keine PDF erzeugen, sondern Einzelbilder im TIFF-Format oder JPEG2000 anfertigen und in einem Ordner speichern. – Möglichst Einzelseiten aufnehmen und bei eingeklebten, klappbaren Dokumenten hintereinander alle Ansichten scannen. – Dateibezeichnungen mit Zählung müssen die richtige Reihenfolge wiedergeben (wird vom Gerät automatisch vorgenommen). – Nach dem Scan eine Einzelkontrolle der Bilder auf Tiefenschärfe und möglichst gerader Ausrichtung sowie Vollständigkeit vornehmen. – Hinweise zum Scan geben die Praxisregeln „Digitalisierung“ der DFG [https://www.dfg.de/resource/blob/176108/898bf3574ad0ff 3b1db525fa7d04c86c/12-151-v1216-de-data.pdf] .

Durchführung Seit Indienstnahme des Buchscanners im März 2022 wurde dieser an verschiedenen Orten Sachsen-Anhalts aufgestellt, u. a. im Heinrich- Schütz-Haus in Weißenfels, im Berend Lehmann Museum für jüdische Kultur und Geschichte in Halberstadt, im Kreismuseum Bitterfeld, im Spengler- Museum Sangerhausen, im Stadtarchiv Tangerhütte, im Prignitz-Museum Havelberg und in der Heimatstube in Aken. Die Auswahl der Standorte erfolgt auf Grundlage von Anfragen bzw. ausgehend von eigenen Erwägungen der beteiligten Institutionen. Landesheimatbund und Museumsverband verantworten die Überführung des Scanners sowie eine Einweisung in die Funktionsweise des Gerätes. Danach wird das Scannen der historischen Materialien selbstständig durch die leihnehmenden Institutionen bzw. Heimatforscherinnen und Ortschronisten durchgeführt. Geeignete Daten werden anschließend an das Historische Datenzentrum zur Weiterverarbeitung übermittelt.

Digitale Bearbeitung und Publikation

Das Historische Datenzentrum übernimmt oder unterstützt die Erstellung des finalen Digitalisats, die Absicherung der rechtlichen Grundlagen und die Erschließung des Werks. Vor Veröffentlichung einer Ortschronik wird eine gemeinsame Archivierungsvereinbarung mit der besitzenden Institution bzw. Person geschlossen. Diese umfasst auch die Ermittlung der Urheber der Chronik und die Festlegung von Veröffentlichungslizenzen. Nach gemeinsamer Abstimmung werden die Daten und ein Foto/Bild für das Titelmotiv mit allen Rechten an das Historische Datenzentrum übertragen. Anschließend wird das gesamte Material einer Qualitätskontrolle unterzogen: Geprüft wird, ob alle Seiten vollständig digitalisiert vorliegen und ob sich urheberrechtlich oder datenschutzrechtlich geschützte Materialien im Werk befinden, die ggf. geschwärzt werden müssen. Dazu wird der komplette Inhalt der Ortschronik gesichtet und bewertet. Dies dient auch der inhaltlichen Erschließung. Damit ein Werk bei einer webbasierten Suche aufgefunden werden kann, werden normierte Schlagworte entsprechend der Gemeinsamen Normdatei der Deutschen Nationalbibliothek (GND)6 vergeben. Mindestens werden Sachbegriffe, nach Möglichkeit aber auch Personen und Orte erschlossen. Auch diesen Prozess können Bürgerwissenschaftlerinnen aktiv unterstützen. Noch lebende Autoren sollten sich zur dauerhaften Erreichbarkeit nach Möglichkeit eine Open Researcher and Contributor ID (ORCID)7, also eine personalisierte Identifikation, anlegen. Zudem wird ein Titelblatt zur Chronik entworfen, das wichtige Angaben zum Titel, Entstehungszusammenhang und zu den Autoren enthält. Alle Daten werden zweisprachig (deutsch/englisch) angeboten. Der gesamte Text wird in einer Datei im Format PDF(-A) zusammengefasst und anschließend auf der Plattform Zenodo veröffentlicht.8 Dort werden webbasierte Texte nicht nur langfristig archiviert, sondern sind über den Digital Object Identifier (DOI)9 dauerhaft verlinkbar und zitierbar. Die inzwischen 23 veröffentlichten Chroniken erscheinen auf Zenodo als „Ortschroniken digital. Bürgerwissenschaftliche Beiträge zur Landesgeschichte Sachsen-Anhalts“. Die Reihe verfügt über eine ISSN und wird mit allen Titeln an die Nationalbibliothek gemeldet.10 Darüber können die Daten anschließend auch in Bibliothekskataloge übernommen werden.

Ausgewählte Ergebnisse

Das Angebot, vor Ort in der Region Datensätze aus Vereins- und Heimatforscherarchiven zu scannen, erfreut sich inzwischen großer Nachfrage. Der Buchscanner wird kontinuierlich nachgefragt, weshalb eine Warteliste besteht. Bisher konnten mehrere historische Chroniken gescannt, aufgearbeitet und online publiziert werden. Exemplarisch seien die Schulchronik von Reinharz11 und die Ortschronik von Schköna12 genannt. Die Digitalisierung beider Chroniken erfolgte durch Ortschronisten aus dem Heimatforschernetz des Landesheimatbundes.13 Die Schulchronik von Reinharz umfasst den Zeitraum von 1874 bis 1915, liegt handschriftlich vor und wurde von den jeweils aktiven Lehrern fortgeführt. Dabei gestalteten die wechselnden Autoren ihre Einträge unterschiedlich ausführlich. Besonders detailreich beschrieb Siegfried Ziemann ab 1895 nicht nur Ablauf und Ausstattung des Unterrichtes, die Einschulungsfeiern und andere schulische Aktivitäten, sondern auch die finanzielle Ausstattung der Schule insgesamt, woraus sich u. a. detailreiche Aussagen über die finanzielle Stellung der Lehrer in Reinharz ableiten lassen. Ähnlich ausführlich beschrieb dann Lehrer Niese die Folgen des Ersten Weltkrieges für die Bewohner von Reinharz in wöchentlichen Einträgen und erlaubt damit einen einzigartigen Einblick in das Gemeindeleben während der ersten beiden Kriegsjahre. Einen größeren Rahmen spannt die Chronik von Schköna, die zwischen 1972 und 1984 von Otto Müller handschriftlich verfasst wurde. Seine Betrachtungen gehen retrospektiv bis ins Mittelalter zurück. Dabei streut Müller immer wieder Abhandlungen und Exkurse zur Ortsgeschichte, zu Gebäuden und Naturdenkmälern, Herrschaftsverhältnissen, Bewohnern und Topografie sowie Nachbarorten und Wüstungen ein und widmet sich Schwerpunktthemen wie der Schul- oder Feuerwehrgeschichte oder dem Kirchen- und Straßenbau. Ein Register hilft bei der Orientierung in den einzelnen Themenkomplexen; jedoch liegen für die einzelnen Abhandlungen keine Quellenverzeichnisse vor. Dennoch lassen beide Chroniken den außerordentlichen Wert erkennen, den die Erforschung lokaler Zusammenhänge bedeuten kann.

Abb. 2

Erste Probescans mit der Ortschronik von Schköna zusammen mit dem Ortschronisten Wolfgang Kapfenberger.

Digitalisierte Museumsschätze

In den teilnehmenden Einrichtungen konnten mithilfe des Buchscanners inzwischen mehrfach hochkarätige Bestände digitalisiert werden. Darunter befindet sich die wertvolle historische Musikaliensammlung der ehemaligen Ephoralbibliothek Weißenfels als Besitz der Evangelischen Kirchengemeinde Weißenfels, die sich seit vielen Jahren zur Pflege und Erforschung als Depositalbestand im Heinrich-Schütz-Haus Weißenfels befindet. Die Sammlung enthält 350 Musikhandschriften des 18. und frühen 19. Jahrhunderts. Durch ihre Digitalisierung können Musikerinnen und Wissenschaftler auf diese Bestände nunmehr zugreifen, um die darin bewahrte Musik erneut zum Leben zu erwecken, ohne dass eine Benutzung der empfindlichen Originalmanuskripte notwendig wäre. In den kommenden Jahren soll zudem Infrastruktur geschaffen werden, um die Scans nach dem Vorbild großer Bibliotheken in der Online-Datenbank des Internationalen Quellenlexikons der Musik (RISM) einzupflegen und sie so einer noch größeren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Auf diese Weise soll auch Weißenfels als Stadt mit einem umfangreichen musikalischen Erbe bekannter werden. Im Berend Lehmann Museum in Halberstadt konnte eine historische Kabbala-Schrift aus dem Nachlass der jüdischen Familie Hirsch aus dem 17. Jahrhundert gescannt werden, die nun von Expertinnen der Universitäten Oxford und Berlin untersucht wird.14 Im Prignitz-Museum Havelberg befanden sich unter den rund 10.000 gescannten Seiten mehrere Chroniken und zwei wertvolle Messbücher aus der Reformationszeit, die nun durch das Historische Datenzentrum aufgearbeitet und online publiziert werden (Abb. 3-5).

Abb. 3

Im Heinrich-Schütz-Haus Weißenfels wurde 2022 eine umfangreiche historische Musikaliensammlung gescannt, darunter die Originalhandschrift zur Kantate „Jesus und die Seele“ des Zittauer Musikdirektors Carl Hartwig zum 11. Sonntag nach Trinitatis 1736.

Abb. 4

Im Prignitz-Museum am Dom in Havelberg wurde 2024 mit dem Buchscanner das Missale Havelbergense von 1589 gescannt.

Abb. 5

Im Berend Lehmann Museum Halberstadt wurde 2022 mit dem Buchscanner eine jüdische Handschrift von ca. 1700 aus der Bibliothek der Halberstädter Rabbiner-Familie Hirsch gescannt.

Potenzial

Durch den Buchscanner haben in den kommenden Jahren viele weitere Bestände Aussicht darauf, digitalisiert zu werden. Der Scanner stellt für kleinere Museen und Archive, Heimatvereine und Einzelpersonen gerade im Hinblick auf die möglichen Quantitäten eine große Chance dar. Die Evaluation der bisherigen Stationen zeigt, dass teilweise mehrere zehntausend Seiten vor Ort gescannt wurden.15 Aus der Nachfrage lässt sich zudem schließen, dass das Potenzial des Scanners erkannt wurde und der Bedarf langfristig gegeben ist. Für die Bearbeitung der digitalisierten historischen Ortschroniken wurde ein praktikabler Workflow entwickelt. Die Veröffentlichung auf www.zenodo. org stellt dabei eine zeitgemäße Möglichkeit dar, Lokalgeschichte online zugänglich zu machen.16 Der nicht unerhebliche personelle und zeitliche Aufwand bei der Erschließung der Chroniken definiert allerdings auch die Grenzen des Vorhabens. Die digitale Verfügbarkeit bedeutet den problemlosen Zugang zu diesen Quellen für akademisch angebundene Forscherinnen und Forscher sowie gleichermaßen für Bürgerwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler. Jede Ortschronik eröffnet einen einzigartigen Blick auf einen lokalen Ausschnitt der Landesgeschichte. Ziel ist allerdings nicht nur die digitale Sicherung und DOI-gestützte Bereitstellung einzelner Bände, sondern der Aufbau eines durchsuchbaren, verknüpfbaren Korpus. Mit jeder weiteren online publizierten Chronik wachsen die Möglichkeiten der vergleichenden und verbindenden Analyse: Handwritten-Text-Recognition (HTR) und Layout-Erkennung erschließen handschriftliche Texte; Verfahren zur Erkennung und Verlinkung von Personen, Orten und Institutionen (Named-Entity- Recognition/-Linking) verbinden Chroniken mit Normdaten (z. B. GND, Wikidata) und historischen Gazetteers; Geoparsing und Zeitextraktion erlauben Karten- und Zeitreihenanalysen. Themen- und Ereignisextraktion (Topic Modeling, Event Mining), semantische Suche und Fragebeantwortung über den Gesamtkorpus (RAG), Muster- und Anomalieerkennung sowie netzwerkanalytische Verfahren (z. B. zu Vereins-, Amts- und Familienbeziehungen) machen zentrale Entwicklungen sichtbar und vergleichbar. So lassen sich Sprachwandel, Deutungsmuster und lokale Wissensordnungen diachron untersuchen, ohne den Blick für Besonderheiten einzelner Orte zu verlieren. Der entstehende, offen zitierbare Korpus schafft eine neue Grundlage für eine datenreiche, zugleich quellennah arbeitende Lokal- und Regionalgeschichtsschreibung. Auffinden, Digitalisieren und Zugänglichmachen der Chroniken sind in diesem Sinne erste Schritte.

Martin Müller

Historiker. Seit 2021 Referent für das Heimatforschernetz beim Landesheimatbund Sachsen-Anhalt e. V. und leitender Redakteur sowie Mitherausgeber von KONNEX. ⇆ mueller@lhbsa.de

John Palatini

studierte Germanistik und Geschichte in Halle (Saale). Seit 2016 Referent und seit 2021 Geschäftsführer für den Landesheimatbund Sachsen-Anhalt e. V.; Autor und Herausgeber von Publikationen zur Geschichte, Kunstgeschichte und Kunst, zuletzt „Transformationen. Industriekultur in Sachsen-Anhalt“ (2026), sowie Mitherausgeber von KONNEX. ⇆ palatini@lhbsa.de

Dr. Katrin Moeller

Historikerin, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Halle-Wittenberg und leitet dort das 2008 gegründete Historische Datenzentrum Sachsen-Anhalt. Zudem entwickelt sie als Co-Applicant die Nationale Forschungsdateninfrastruktur mit. Sie ist Mitherausgeberin von KONNEX. ⇆ katrin.moeller@geschichte.uni-halle.de

  1. 1)

    1 Amts-Blatt der Königlichen Regierung zu Merseburg. 21. Stück. Merseburg, den 24. Mai 1817, S. 275f., hier: 275. Vgl. hierzu den Beitrag von Uta Monecke in dieser Ausgabe, S. 10–17.

  2. 2)

    Siehe hierzu die Beiträge der Rubrik „Schwerpunkt“ in dieser Ausgabe.

  3. 3)

    Vgl. die „Anordnung über die Führung von Ortschroniken“ vom 16.03.1955 durch das Ministerium des Innern der DDR inkl. der „Richtlinien für die Anlage und Führung von Ortschroniken (Ges.- Bl. Teil II. 1955, Nr. 17, S. 117f) u. a. abgedruckt in: Hans Heinrich Leopoldi: Leitfaden für den Ortschronisten, hrsg. v. Deutschen Kulturbund, Schwerin 1962, S. 136–139.

  4. 4)

    Vgl. Christiane Wagner: Teilnahme an einem Pilotprojekt „Qualifizierungsmaßnahmen für Mitarbeiter in Chronik- und Archivprojekten“. In: Sachsen-Anhalt. Journal für Natur- und Heimatfreunde 7 (1997), H. 4, S. 23f.

  5. 5)

    Im Zuge einer nicht veröffentlichten Befragung unter Ortschronisten in Sachsen-Anhalt im Jahr 2018 durch den Landesheimatbund stellte sich heraus, dass in vielen Fällen große Unsicherheit im Hinblick darauf herrscht, was mit nicht publizierten Chroniken und Sammlungen im Todesfall geschieht. Zudem wurde deutlich, dass Ortschronisten regelmäßig ältere Chroniken, auf die sie sich im Rahmen ihrer eigenen Arbeit bezogen, privat aufbewahrten. Das Vorhandensein von Chroniken auf Ebene der Ortschaften bzw. im Besitz von Heimatforscherinnen und Heimatforschern wurde seitens des Landesheimatbundes zuletzt 2023 im Rahmen einer Umfrage zum Immateriellen Kulturerbe abgefragt. Die Erhebung ergab zahlreiche Hinweise, aber selbstverständlich kein abschließendes Bild. Dafür wären in jedem Einzelfall weitere Recherchen erforderlich. Zur Umfrage vgl. Ortrun Vödisch und Uwe Wolfradt: Lebendig, aber gefährdet. In: KONNEX 2 (2025), S. 52–59.

  6. 6)

    https://lobid.org/gnd (01.10.2025).

  7. 7)

    https://orcid.org/ (01.10.2025).

  8. 8)

    Die bisher publizierten Chroniken sind zusammengestellt auf https://www.geschichte. uni-halle.de/struktur/hist-data/reihen/ortschroniken/#akTop (01.10.2025).

  9. 9)

    https://www.doi.org/ (01.10.2025).

  10. 10)

    Ortschroniken digital. Bürgerwissenschaftliche Beiträge zur Landesgeschichte Sachsen-Anhalts. Herausgegeben im Auftrag des Historischen Datenzentrums Sachsen-Anhalts, des Landesheimatbunds Sachsen- Anhalt e. V. und des Instituts für Landesgeschichte am Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt von Katrin Moeller, John Palatini und Michael Hecht, ISSN: 2940-0627.

  11. 11)

    Lehrer Freund u. a.: Schulchronik von Reinharz 1874–1914. In: Ortschroniken digital. Bürgerwissenschaftliche Beiträge zur Landesgeschichte Sachsen-Anhalts 12, Halle 2023, DOI: 10.5281/zenodo.10091451 (09.10.2025).

  12. 12)

    Otto Müller: Die Chronik von Schköna. Von den Anfängen bis 1984. In: Ortschroniken digital. Bürgerwissenschaftliche Beiträge zur Landesgeschichte Sachsen-Anhalts 6, Halle 2022, DOI: 10.5281/zenodo.6825165 (09.10.2025).

  13. 13)

    Zum Heimatforschernetz vgl. John Palatini und Christian Marlow: Das „Heimatforschernetz Sachsen-Anhalt“ unter dem Dach des Landesheimatbundes. In: Sachsen-Anhalt-Journal 31 (2021), H. 1, S. 2f. sowie John Palatini und Martin Müller: Grundlagenkurse für Engagierte in den Bereichen Ortschronik und Heimatforschung. In: ebd., H. 3, S. 28f.

  14. 14)

    Vgl. Jutta Dick: „Zum Andenken für Benjamin Hirsch von L. Löb“. In: KONNEX 2 (2025), S. 64–67.

  15. 15)

    Durch den Heimatverein Aken wurden 2024 rund 40.000 Seiten gescannt.

  16. 16)

    Die auf Zenodo verfügbaren Digitalisate verzeichnen inzwischen über 3.000 Aufrufe und noch einmal so viele Downloads (24.10.2025). Allein die Chronik von Schköna wurde in vier Jahren rund 450-mal geöffnet und bald 900-mal heruntergeladen. Die Reihe „Ortschroniken digital“ steht damit exemplarisch für die Bedeutung der Digitalisierung für die Zugänglichkeit und Sichtbarkeit bürgerwissenschaftlicher Arbeiten. Vgl. dazu Martin Munke: Nicht-akademische Forschungen zur Lokal- und Heimatgeschichte – Medien „an den Rändern“? In: Annette Fichtner, Helmut Obst, Christian Meskó (Hg.): Praxishandbuch Medien an den Rändern. Umgang mit umstrittenen Werken in Bibliotheken. Berlin, Boston 2024, S. 177–188, hier: 181. Online: https://doi.org/10.1515/9783111229614-016 (09.10.2025).