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Bericht

Tagungsbericht: „Digital History & Citizen Science“

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Konnex - „Zeitschrift für Regional- und Heimatforschung Sachsen-Anhalt“ (Nr. 3, 2026)

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Themen

Bildung & Vermittlung Heimatforschung & Ortschronik

veranstaltet vom Historischen Datenzentrum Sachsen-Anhalt in Kooperation mit der AG Digitale Geschichtswissenschaft des Verbands der Historiker und Historikerinnen Deutschlands e. V., dem Verein für Computergenealogie e. V., NFDI-4Memory, Archion und ICARUS e. V., der Historischen Kommission für Sachsen-Anhalt, dem Institut für Landesgeschichte am Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt und dem Landesheimatbund Sachsen-Anhalt e. V.

Zwischen dem 19. bis 22.9.2024 fanden sich unter dem Dach zahlreicher Akteure auf dem Steintorcampus über 400 Tagungsteilnehmer:innen in Halle (Saale) ein, um gemeinsam und aus vielen Perspektiven über die Digitalisierung der historischen Forschung zu diskutieren. Gezielt hatte das Historische Datenzentrum Sachsen-Anhalt der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg ganz verschiedene Partner:innen zusammengebracht, um sowohl fachwissenschaftliche Ansätze (AG Digitale Geschichtswissenschaft des Verbands der Historiker und Historikerinnen Deutschlands, NFDI4Memory), bürgerwissenschaftliche Forschungen (Archion, ICARUS e.V., Verein für Computergenealogie) und Belange der Landesgeschichte (Historische Kommission Sachsen-Anhalt, Institut für Landesgeschichte (Sachsen-Anhalt), Landesheimatbund Sachsen-Anhalt) zu verbinden.

Im Mittelpunkt stand die Frage nach der Veränderung der Geschichtsforschung, die heute nicht nur immer stärker verzahnt zwischen Gedächtniseinrichtungen, Forschung und Bürgerwissenschaften stattfindet, sondern partizipativ in übergreifenden digitalen Räumen sowie mit erheblichen Herausforderungen an die multiperspektivischen Methoden der Datenerhebung, des Analysierens und Präsentierens. Im Mittelpunkt standen nicht nur neue Formen des Forschens, Sammelns und mehrschichtigen Erzählens historischer Erfahrungen – und die gemeinsame Verantwortung für das kulturelle Gedächtnis im digitalen Zeitalter, sondern auch die Revolution durch Künstliche Intelligenz und Large Language Models. Viele Beiträge widmeten sich der Frage, wie KI und automatisierte Verfahren die Arbeit in der Geschichtsforschung verändern und bei welchen Arbeitsschritten KI-Verfahren optimal eingesetzt werden können. Ob bei der Transkription handschriftlicher Quellen, beim Erkennen von Mustern in großen Textmengen, oder bei der Analyse sozialer Netzwerke – maschinelles Lernen eröffnet neue Möglichkeiten, erbringt aber zugleich neue ethische, rechtliche und methodische Herausforderungen.

Viele Beiträge zeigten, dass Bürgerwissenschaften längst zu einem festen Bestandteil historischer Forschung geworden sind. Digitale Plattformen ermöglichen es Freiwilligen, Quellen zu transkribieren, Daten zu erfassen oder historische Objekte zu annotieren. Dabei verschwimmen die Grenzen zwischen professioneller und partizipativer Forschung zunehmend: Citizen Scientists werden zu Mitautor:innen, Datenkurator:innen, Qualitätsprüfer:innen und Vermittler:innen zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit. Dies- und Jenseits der konkreten Projekte wurde immer wieder deutlich, dass Citizen Science mehr ist als eine kollaborative Arbeitsorganisation – sie ist eine Haltung des gemeinsamen Gestaltens von Geschichtswissen und Geschichtskultur. Diese Vielfalt verleiht der Digital History eine neue soziale Dimension, der die analoge Wirklichkeit mit stark begrenzten Zuständigkeiten, Institutionen und Landesgrenzen nicht im gleichen Maße folgt. Welche Baustellen es hier, vor allem im Bereich der methodischen Herangehensweisen, der Wertschätzung und der langfristigen Strukturen, nach wie vor gibt, wurde besonders in den Podiumsdiskussionen deutlich.

Dies zeigte auch ein weiteres zentrales Thema der Tagung: Die drängender werdende Aufgabe, Kulturgut übergreifend zu sichern und langfristig zu bewahren, was zunehmend auch bürgerwissenschaftliche, webbasierte und kollaborative Inhalte umfasst. Zahlreiche Projekte diskutierten, wie historische Sammlungen durch digitale Werkzeuge und die Mitarbeit von Bürger:innen neu erschlossen werden können. Besonders im Bereich der Exil- und Verfolgungsforschung, der Regionalgeschichte und der Alltagsdokumentation entstehen hybride Modelle, in denen Archive, Forschungseinrichtungen und Freiwillige zusammenarbeiten. Dabei geht es nicht nur um die Digitalisierung bestehender Bestände, sondern auch um die Bewahrung genuin digitaler Quellen: Webseiten, Blogs oder soziale Medien, die kollektive Erinnerung prägen, sollen in Zukunft stärker in partizipative Archivierungsstrategien eingebunden werden. 

Dies verdeutlichten besonders auch die Beiträge im Rahmen des Tages der sachsen-anhaltinischen Landesgeschichte sowie des 4. Tages der Heimatforschung, welche beide eingebettet in die Tagung begangen wurden und das Programm mit ihren Angeboten bereicherten. Der Tag der Landesgeschichte war mit einer eigenen Sektion auf der Tagung präsent. Die hier vorgestellten Projekte zur Erforschung verschiedener bisher noch nicht beleuchteter Aspekte der sachsen-anhaltinischen Landesgeschichte sind explizit offen ausgerichtet und wären ohne die Mitarbeit von Citizen Scientists letztlich nur in sehr geringem Umfang oder gar nicht durchführbar. Auch der Landesheimatbund bot zum Tag der Heimatforschung Vorträge und Workshops an. Zudem wurden in diesem Rahmen Teilnehmenden die Zertifikate für die Absolvierung des Grundlagenkurses überreicht, womit nicht nur das Engagement der Kursteilnehmenden Citizen Scientists, sondern auch jenes der Vereine und Strukturen, die solche Formen der Wissensvermittlung ehrenamtlich ausarbeiten und anbieten, gewürdigt wurden. 

Citizen Scientists werden so zu aktiven Mitgestalter:innen des kulturellen Gedächtnisses und können überdies eigene Themensetzungen vornehmen. Dies machten auch die Projekte sichtbar, welche die Rolle von Bürgerwissenschaften selbst in den Blick nahmen und zum Forschungsprojekt machten. Am Beispiel der Genealogie wurde gezeigt, dass die Digitalisierung der Geschichtswissenschaft, insbesondere durch die Vernetzung mit der Bürgerwissenschaft nicht nur neue Möglichkeiten und Qualitäten, sondern eben auch neue Themen hervorbringt. Digital History wird so zu einem Experimentierfeld für demokratische Wissensproduktion sowohl in Bezug auf ein Zusammenwirken diverser Akteure, als auch auf eine thematische Weitung. Hier sind noch viele interessante Diskussionen, gemeinsame Projekte und Forschungsergebnisse zu erwarten, sodass man gespannt sein darf auf weitere Tagungen, die dieses Themenfeld adressieren.

Tagungsgrafik

Tagungseröffnung

Online-Schaltung des digitalen Biografieportals Sachsen-Anhalt