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Bericht

Rückblick der Tagung „Arbeit, Gewalt, Zwang. Industriekultur & Verantwortung“

Themen

Bildung & Vermittlung Erinnerungskultur Geschichte Industriekultur Landschaft, Natur & Umwelt

Am 20. und 21. November 2025 kamen 70 Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Museen, Gedenkstätten und Politik im Salinemuseum Halle zusammen, um zu diskutieren wie die Schattenseiten der Industriegeschichte in Sachsen-Anhalt erinnert werden können.

Die zweitägige Tagung widmete sich den vielfältigen Verflechtungen von industrieller Entwicklung, Gewalt und Zwang seit dem Ersten Weltkrieg und stellte die Frage, wie diese Schattenseiten in ein zeitgemäßes Narrativ der Industriekultur in Sachsen-Anhalt integriert werden können. Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Museumsarbeit, Denkmalpflege und politischer Bildung diskutierten historische Belastungen ebenso wie aktuelle Formen der Erinnerungskultur.

In den ersten Panels wurde deutlich, wie eng die Industrialisierung der Region mit Gewaltverhältnissen verknüpft war: von repressiven Arbeitsstrukturen der Zuckerrübenproduktion vor 1914 über den massiven Einsatz von Kriegsgefangenen bis hin zu den grausamen Bedingungen der Zwangsarbeit in den Außenlagern von Buchenwald und Mittelbau-Dora. Vorträge zur militärischen Infrastruktur und ihren materiellen Hinterlassenschaften zeigten zudem, wie präsent diese Geschichte bis heute in der Landschaft und im Denkmalbestand ist.


Der zweite Konferenztag vertiefte regionale und betriebliche Perspektiven auf NS-Zwangsarbeit, von Wittenberg über die Mansfeld AG bis zum Kalibergbau. Parallelsektionen beleuchteten sowohl die Funktionslogik des Zwangsarbeitssystems als auch die Verantwortung einzelner Unternehmen. Ein besonderes Augenmerk lag auf bislang wenig erforschten Opfergruppen, darunter Frauen in der Rüstungsindustrie und ungarische Jüdinnen.

Mit den Panels zu Strafgefangenenarbeit und Arbeitsbedingungen in der DDR weitete die Tagung den Blick auf Kontinuitäten von Zwang, Prekarität und gesundheitlicher Gefährdung in der staatssozialistischen Industrie.

Die Podiumsdiskussion unterstrich die Notwendigkeit, Industriekultur nicht als reine Fortschrittsgeschichte zu erzählen, sondern als komplexes Geflecht aus Innovation, Ausbeutung, Erinnerung und Verantwortung.

Die Tagung zeigte eindrücklich: Eine glaubwürdige Industriekultur in Sachsen-Anhalt muss die dunklen Kapitel der Geschichte sichtbar machen – um ihnen gerecht zu werden und um aus ihnen zu lernen.
Die Tagung wurde organisiert vom Landesheimatbund Sachsen-Anhalt e. V., dem Institut für Landesgeschichte am Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt und dem Museumsverband Sachsen-Anhalt e. V. in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung, dem Netzwerk Industriekultur Sachsen-Anhalt, dem Salinemuseum Halle und dem Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.