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Mit Heckenschere und GPS

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Sachsen-Anhalt-Journal - „Wege“ (Nr. 3, 2025)

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Interview mit Manfred Böhm und Tom Wawerek

Die Harzer Wanderwege werden ehrenamtlich von Wegewarten gepflegt.

Der Harzklub e. V. unterhält ein dichtes Netz an Wanderwegen. Das Fundament des Harzklubs sind 80 Zweigvereine mit ca. 11.000 Mitgliedern. Die Wanderwege des Harzes werden ehrenamtlich unterhalten und beschildert. Jeder Zweigverein hat einen Wegewart. Zwei Mitglieder des Zweigvereins Quedlinburg berichten von ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit. Manfred Böhm (77) ist Wanderführer und stellvertretender Hauptwegewart des Harzklubs. Tom Wawerek (36) ist seit einem Jahr Mitglied im Zweigverein Quedlinburg. Er möchte Wegewart werden.

Was macht ein Wegewart im Harz, welche Aufgaben übernimmt er?

Manfred Böhm (MB): Ein Wegewart kümmert sich um die Wanderwege im Harz. Dazu gehört es, die Wege regelmäßig zu kontrollieren, die Beschilderung zu prüfen und instand zu halten, Wege zu pflegen, Schäden aufzunehmen und Aktionen zu planen, um Schäden zu beseitigen. 

Herr Böhm, Sie sind seit acht Jahren stellvertretender Hauptwegewart. Welches Projekt war Ihnen in dieser Zeit besonders wichtig?

MB: Wichtige Projekte sind immer die Zertifizierungen von Wanderwegen. Ich habe an der Zertifizierung des Harzer Hexenstiegs als „Qualitätswanderweg Wanderbares Deutschland“ 2020 und 2023 mitgewirkt. Der Harzer Hexenstieg trägt dieses Prädikat seit 2014. Die Zertifizierung erfolgt alle drei Jahre. Für diese Zertifizierung habe ich fünf Etappen geprüft. Das sind 20 Kilometer. D. h. ich gehe den Weg komplett ab, prüfe die Wegebeschaffenheit, die Beschilderung, die Qualität dieses Weges. Schaue, ob Sehenswürdigkeiten auf den Schildern verzeichnet und Wegmarken vorhanden sind. Dafür gibt es ein Punktsystem. Auf Grundlage des Punktesystem und meiner Kontrolle wird dann das Qualitätszertifikat vergeben.

Mitglieder des Zweigvereins Quedlinburg pflegen die Wanderwege im Harz.

Herr Wawerek, Sie sind Mitglied im Harzklub, möchten Wegewart im Zweigverein Quedlinburg werden und perspektivisch das Ehrenamt als stellvertretender Hauptwegewart von Manfred Böhm übernehmen. Das heißt, die Staffelstabübergabe wird langfristig vorbereitet. Wie sind Sie jetzt schon in die Wegewart-Aufgaben eingebunden?

Tom Wawerek (TW): Ich habe mich schon in die Aufgaben des Wegewarts hineingefuchst und beispielsweise Schilder für einen Wanderweg angefertigt.

Um welchen Weg ging es da?

TW: Es soll zukünftig einen Rundweg um Hüttenrode geben. Dafür habe ich auf der Karte den Rundweg entworfen, also habe überlegt, wo er langführt. Dann bin ich den Wanderweg entlanggegangen und habe geschaut, wo Kreuzungen sind, also an welchen Stellen man Schilder braucht. Die Positionen habe ich mir per GPS markiert und Fotos davon gemacht. Der Rundweg ist 17 Kilometer lang. Dafür brauchen wir rund 60 Schilder. Zu Hause habe ich die Schilder nach den Vorgaben des Harzklubs entworfen, d. h. da müssen Entfernungen, Points of Interest und Richtungspfeile berücksichtigt werden. Wenn die Schilder produziert sind, gehe ich los und bringe sie an, entweder an Bäumen oder wir graben Löcher für Pfosten.

Wie gehen Sie bei der Pflege der Wege vor?

TW: Wenn ich einen Weg abgehe und sehe, dass er nicht mehr gut begehbar ist, organisiere ich Leute, also die Mitglieder des Zweigvereins. Gemeinsam bringen wir alles wieder in Ordnung. Ich frage dann, wer mit anpacken kann. Und dann heißt es: Viele Hände, schnelles Ende. Ich habe aber auch schon selbst die Heckenschere in die Hand genommen, bin losgezogen und habe Wege freigeschnitten. Schließlich möchte sich niemand durch Brombeeren kämpfen.

Was ist Ihre Motivation für dieses Ehrenamt?

TW: Uns allen geht es darum, schöne Wanderwege zu haben und damit schöne Wandererfahrungen zu ermöglichen, sowohl für Touristen als auch für uns hier vor Ort. Und wenn wir dann positives Feedback von Wanderern bekommen, motiviert uns das, immer weiterzumachen.

Welche Herausforderungen gibt es zu bewältigen?

MB: Das Wegenetz ist riesig. Da gibt es an manchen Stellen Nachholbedarf bei der Beschilderung. Eine Herausforderung, die wir immer im Blick behalten müssen, ist außerdem die Eigentümerfrage. Wir müssen immer schauen, dass Schilder und Bänke auf öffentlichem, nicht auf privatem Grund installiert werden.

TW: Ein immerwährendes Problem ist auch der Müll. Ich habe inzwischen beim Wandern immer einen Müllsack dabei. Und der ist nach einer Wanderung gut gefüllt. Besonders viel Müll liegt an touristischen Hotspots herum. Auf einer Runde um den Oderteich, also auf ca. zwölf Kilometern, habe ich einmal 25 Kilogramm Müll gesammelt.

Neben Ihrem Ehrenamt betreiben Sie auch den Wanderblog „Unterwegs im Freien“. Auch über diesen Weg setzen Sie sich für die Pflege und den Schutz der Natur ein.

TW: Mit dem Blog möchte ich zum einen Lust aufs Draußensein und Wandern vermitteln, d. h. ich gebe Wandertipps und Tourenempfehlungen. Zum anderen geht es auch darum, der Natur etwas zurückzugeben. So unterstütze ich beispielsweise mit dem Blog auch die #NoTrash-Aktionen im Nationalpark Harz: Man kann sich in den Nationalparkhäusern Müllsack und Müllgreifer holen und beim Wandern Müll sammeln. Wenn man am Ende den Müll im Nationalparkhaus abgibt, erhält man einen Sonderstempel der Harzer Wandernadel. Ich finde, das ist eine ganz wichtige Sache.