Mansfelder Bergwerksbahn e. V., Fotos: Uwe Tolle
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Grünkohlexpress im Ziegenstall
Der Verein Mansfelder Bergwerksbahn e. V. hält seit 1991 eine Teilstrecke der Werksbahn des ehemaligen Mansfeld-Kombinats Wilhelm Pieck Eisleben in Betrieb.
Was haben eine Gartenlaube oder Ziegenställe mit einer Schmalspurbahn gemeinsam? Auf den ersten Blick nichts. Doch im Fall der Mansfelder Bergwerksbahn ist das anders. In den 1970er Jahren stellte die Bergwerksbahn den Transport von Berg- und Hüttenleuten ein. Die Personenwaggons landeten in Gärten, Höfen und Werkstätten. Man nutzte die Waggons weiter, nur in anderer Weise: als Tierställe, Lauben oder Umkleidekabinen.
Als der Kupferschieferbergbau Anfang der 1990er Jahre im Mansfelder Land stillgelegt wurde, stand auch die Bergwerksbahn, die älteste Schmalspurbahn Deutschlands, vor dem Abbau. Damals fanden sich 16 Bahnbegeisterte zusammen und gründeten den Verein Mansfelder Bergwerksbahn. Sie zogen los, machten die alten Personenwaggons ausfindig und setzten sie wieder instand. Mit diesem Einsatz retteten die Vereinsmitglieder ein Stück Industriekultur Sachsen-Anhalts.
Die Bergwerksbahn verkehrte ab 1880. Als reine Industriebahn fuhr sie zwischen den Mansfelder Schächten und Hütten, transportierte Kupferschiefer, Kohle, Grubenholz und Schlackensteine – und bis Anfang der 1970er Jahre eben auch die Berg- und Hüttenleute.
Mansfelder Bergwerksbahn e. V., Foto: Markus Endt
Mansfelder Bergwerksbahn e. V., Fotos: Uwe Tolle
Der Verein kümmert sich aktiv um den Nachwuchs.
Heute zählt der Verein Mansfelder Bergwerksbahn e. V. über 100 Mitglieder. Ehrenamtlich wird zwischen Ostern und Oktober jeden Samstag ein Team aus Lokführern, Zugführern, Servicepersonal und Heizern zusammengestellt, um Fahrten zwischen Benndorf und Hettstedt anzubieten. Außerdem halten die Vereinsmitglieder die Strecke mit Arbeitseinsätzen intakt.
Die Mansfelder Bergwerksbahn hat sich zu einer touristischen Attraktion für die Region entwickelt. Neben den regelmäßigen Wochenendfahrten sind inzwischen auch Themenfahrten wie Nikolausfahrt oder Grünkohlexpress sehr beliebt. Und mit einem besonderen Angebot schafft der Verein die Möglichkeit, einen Kindheitstraum vieler zu erfüllen: selbst als Lokführer auf dem Führerstand zu stehen. Und die Gäste? Sie kommen inzwischen nicht mehr nur aus der Region, sondern aus dem ganzen Bundesgebiet und dem europäischen Ausland.
Immer neue Projekte und Ideen halten das Vereinsleben am Laufen. Aktuell ist der Verein dabei, den Bahnhof Kupferkammerhütte in Hettstedt als Empfangsgebäude zu gestalten. Eine bereits fertiggestellte interaktive Ausstellung zeigt, wie sich der Transport des abgebauten Kupferschiefers in der 825-jährigen Bergbaugeschichte vom Ochsenkarren über Fuhrwerksunternehmen bis hin zur Industriebahn entwickelt hat. Die Ausstellung wird aktuell im Lokschuppen präsentiert und ist an ausgewählten Tagen wie dem Tag des offenen Denkmals oder dem Tag der Industriekultur geöffnet. Nach der Sanierung des Bahnhofs wird die Ausstellung dauerhaft im Empfangsgebäude zu sehen sein.
