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Genossenschaft macht Kneipe – der NachDenker im Magdeburger Stadtfeld Ost

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Sachsen-Anhalt-Journal - „Genossenschaft“ (Nr. 2, 2020)

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Themen

Dorfmitte & Soziokultur Fest & Tradition Kunst & Musik

Wer die Tür an der Olvenstedter Straße 43 öffnet, betritt keinen gewöhnlichen Gastronomiebetrieb. Der „NachDenker“ im Magdeburger Stadtfeld wurde im Jahr 2012 als erste Kneipengenossenschaft Sachsen-Anhalts gegründet. Ausgangspunkt des Projekts war die Schließung der gleichnamigen Vorgängerkneipe.

Fünfzehn Stammgäste entschieden sich damals, den Verlust des vertrauten Ortes nicht hinzunehmen. Erste Überlegungen, eine GmbH oder einen Verein zu gründen, wurden schnell verworfen. Der entscheidende Hinweis kam schließlich vom Steuerberater. Nach der Kontaktaufnahme mit dem Fachprüfverband, umfangreicher Recherche und der Ausarbeitung einer Satzung konnte die Genossenschaft gegründet werden.

Die Anfangsjahre waren von organisatorischen und finanziellen Herausforderungen geprägt. Ziel war von Beginn an nicht die Gewinnmaximierung, sondern ein kostendeckender Betrieb. In den ersten beiden Jahren organisierten und betrieben ausschließlich die Gründungsmitglieder die Kneipe. Sie übernahmen sämtliche Aufgaben – von Buchhaltung, Einkauf und Schichtplanung über Öffentlichkeitsarbeit bis hin zum abendlichen Thekendienst. Später kamen Angestellte hinzu, vor allem Studierende, die sich durch einen Nebenjob etwas dazuverdienen wollten.

Dank Eigeninitiative und mit viel Kultur existiert die Kneipengenossenschaft seit 14 Jahren.

Das Konzept der genossenschaftlich geführten Kneipe war zunächst erklärungsbedürftig. Erst nach und nach fand die Idee Akzeptanz beim Publikum. Die Verbindung aus Eigeninitiative, kulturellem Angebot und offener Atmosphäre erwies sich schließlich als tragfähig. Einen zentralen Bestandteil bildet bis heute das monatliche Kulturprogramm, für das grundsätzlich kein Eintritt erhoben wird. Regelmäßig finden die „Open Mic Night“ und die „Quiznight“ im Wechsel statt. Ergänzend haben sich Formate wie „Musikbingo“ oder „Wünsch dir was“ etabliert. Hinzu kommen thematische Abende wie der „DarkDenker“ mit Musik aus dem Bereich New Wave und Gothic oder Veranstaltungen mit Repertoire aus den 1970er- und 1980er-Jahren.

Auch heute, 14 Jahre nach der Gründung, bleibt die Verantwortung auf viele Schultern verteilt. Jedes Mitglied übernimmt eine feste Aufgabe sowie einen Bardienst im Monat. Gemeinsame Tätigkeiten wie die Instandhaltung der Räume oder der saisonale Auf- und Abbau der Terrasse werden gemeinschaftlich erledigt. Entscheidungen trifft die Genossenschaft basisdemokratisch per Mehrheitsbeschluss auf monatlichen Versammlungen. Dort werden unter anderem das Getränkeangebot, Veranstaltungsformate, Personalfragen und anstehende Renovierungen besprochen.

Der „NachDenker“ setzt nicht auf die Beteiligung vieler stiller Mitglieder, sondern auf eine aktive Gemeinschaft. Aktuell besteht sie aus zwölf Mitgliedern, die in der Kneipe mehr sehen als ein rein ehrenamtliches Projekt, nämlich einen gemeinschaftlich getragenen Ort für Begegnung und Kultur.