Gewürze der Welt
Interview
Gemeinsam feiern und essen: Ein Blick auf muslimische Festkultur
Ayoub Al-Hamadi, Professor an der Universität Magdeburg und Mitglied der muslimischen Gemeinde der Stadt, erzählt, wie muslimische Feste in Deutschland gefeiert werden und welche Gerichte dabei eine Rolle spielen. Ursprünglich aus dem Jemen stammend, lebt er seit über 35 Jahren mit seiner Familie in Magdeburg.
Landesheimatbund (LHB): Welche Bedeutung hat gemeinsames Essen in der arabischen Tradition?
Ayoub Al-Hamadi: Essen ist Ausdruck von Gastfreundschaft, Vertrauen und familiärer Nähe. Es steht für Gemeinschaft, Zugehörigkeit und Zusammenhalt. Am Tisch werden nicht nur Speisen, sondern auch Sorgen, Freuden und Pläne geteilt.
LHB: Verbinden Sie mit einem muslimischen Fest ein traditionelles Gericht?
Ayoub Al-Hamadi: Das Opferfest (Eid al-Adha) erinnert an die Bereitschaft des Propheten Ibrahim, Gott zu gehorchen, und wird traditionell mit Fleischgerichten gefeiert, die auch mit Bedürftigen geteilt werden. Typische Gerichte sind Zerbian oder Salta.
Zerbian ist mein Lieblingsgericht aus meiner jemenitischen Heimat. Es ist ein Reisgericht mit Huhn oder Lamm, Joghurt und orientalischen Gewürzen wie Kardamom, Kreuzkümmel, Zimt und Nelken. Es wird gedämpft und meist mit frittierten Zwiebeln, Koriander oder Safran serviert. Beim Essen sitzen wir zusammen auf dem Boden oder an einem großen Tisch und essen mit den Händen. Salta ist ein würziger Eintopf aus Fleisch, Gemüse und Gewürzen, verfeinert mit pürierten Bockshornkleesamen („Helba“).
LHB: Welche Rolle spielt das Fasten im Ramadan für Ihre Familie?
Ayoub Al-Hamadi: Das Fasten im Ramadan ist für mich sehr wichtig. Für Muslime ist Ramadan nicht nur eine Zeit des Verzichts auf Essen und Trinken, sondern eine Phase der inneren Einkehr, des Gebets, der Selbstkontrolle und der Nächstenliebe. Tagsüber wird gefastet, abends bewusst gemeinsam gegessen. Besonders beliebt ist da „Sambusa“, ein gefülltes Gebäck aus Hackfleisch, Huhn, Linsen oder Kartoffeln, gewürzt mit Kreuzkümmel, Pfeffer und Curry, zu Dreiecken geformt und goldbraun frittiert. Es erinnert mich an große Familientreffen, Wärme und Gastfreundschaft.
LHB: Wie begehen Sie das Fastenbrechen?
Ayoub Al-Hamadi: Meist zu Hause mit der Familie, zunächst mit Datteln und Wasser, dann einem warmen Abendessen aus Reis, Linsensuppe, Gemüse und Fleisch. Manchmal laden wir Freunde oder Nachbarn ein. In der Moschee gibt es häufig gemeinsame Iftar-Mahlzeiten für viele Familien.
LHB: Wie wird das Zuckerfest am Ende des Ramadans gefeiert?
Ayoub Al-Hamadi: Das Zuckerfest (Eid al-Fitr) feiern wir in der Familie und in der Gemeinde. Nach dem Festgebet in der Moschee besuchen wir Verwandte und Freunde. In Magdeburg treffen sich viele Muslime im Nordpark. Zu Hause gibt es süßes Gebäck wie Baklava, Knafeh oder mit Datteln und Nüssen gefüllte Ma’moul sowie herzhafte Gerichte wie Reis mit Huhn oder Lamm. Wichtig ist auch, dass die Kinder Geschenke und Süßigkeiten erhalten.
Gewürze der Welt
Zerbian – ein traditionelles jemenitisches Reisgericht, das mit Lamm oder Huhn gegessen wird.
