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Die Straße der Musik

Ausgabe

Sachsen-Anhalt-Journal - „Wege“ (Nr. 3, 2025)

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Themen

Bildung & Vermittlung Fest & Tradition Geschichte Heimatforschung & Ortschronik Kunst & Musik

Händel in Halle, Telemann in Magdeburg, Schütz in Weißenfels oder Weill in Dessau – es sind die Großen der Musikgeschichte, die die Musiklandschaft Sachsen-Anhalts prägten. Musikfeste zu ihren Ehren finden internationales Publikum. Wer mit offenen Augen und Ohren durch die Orte geht, wird darüber hinaus zahlreiche weitere Museen, Geburts- und Wohnhäuser finden, die sich dem Leben und Wirken von Musikschaffenden widmen, beispielsweise das Carl-Loewe-Museum in Löbejün oder das Orgelbau-Museum in Hausneindorf.

Betrachtet man die Zahl der 167 musikhistorisch bedeutsamen Orte in Sachsen-Anhalt, so zieht sich ein dichtes Netz über die Landkarte. Diese klangvollen Orte zu einer touristischen Route zusammenzuführen, ist die Vision des Vereins Straße der Musik e. V. Der Verein hat dabei nicht nur Sachsen-Anhalt im Blick, sondern ebenso Sachsen und Thüringen. Aktuell besteht die länderübergreifende Straße der Musik aus 54 Stationen, darunter Museen, Kirchen, Klöster, Gutshäuser, Theater. Die jüngst hinzugekommene Station ist die Kirche St. Jakob in Köthen. Neben Johann Sebastian Bach wirkten 44 weitere Komponisten musikprägend in der Stadt: Darunter wird Johann Michael Sciuro als Lautenist in Köthen von 1724 bis 1754 genannt. August Klughardt startete seine Dirigenten-Karriere am Gymnasium in Köthen. Am Wohnhaus des Komponisten und Dirigenten Alfred Tokayer wurde 2010 ein Stolperstein verlegt.

Stationen auf der Straße der Musik

Jeder Ort mit musikhistorischem Hintergrund kann grundsätzlich eine Station auf der Straße der Musik werden. Was ist dafür notwendig? Das Anbringen der charakteristischen Logotafel mit dem markanten Violinschlüssel und ein Festakt, der den Ort offiziell zu einer Station auf der Straße der Musik macht. Manche Orte sind erst durch Recherchen des Vereins auf ihre musikhistorische Bedeutung aufmerksam geworden. So beherbergt die Kirche in Langenbogen eine wundervoll klingende Barockorgel von Georg Theodor Kloß. Das KulturGut Ermlitz war Begegnungsstätte von Richard Wagner, Carl Maria von Weber und Felix Mendelssohn Bartholdy. Am Domgymnasium in Naumburg lernte und lehrte der Musikforscher, Lehrer und Schulleiter Heinrich Faber.

Diese Beispiele zeigen, wie gründlich der Verein recherchiert. Er hat sich zum Ziel gesetzt, alle historischen Komponistinnen und Komponisten in Mitteldeutschland aufzuspüren und in einer Datenbank zu erfassen. Zur Gründung des Vereins 2009 schätzten die Initiatoren die Zahl dieser Musikschaffenden auf etwa 400. Heute, 26 Jahre später, zeigt sich, dass die damalige Schätzung weit von der tatsächlichen Zahl entfernt lag. Es wurden bereits 3307 Komponisten an 743 Orten recherchiert. Hinzu kommen zahlreiche Instrumentenbauer. In detektivischer Kleinarbeit hat man in Archiven und Bibliotheken gestöbert und historische Lexika, Online-Quellen und Digitalisate ausgewertet.

Der charakteristische Violinschlüssel markiert jede Station auf der Straße der Musik.

Musik an besonderen Orten

Und natürlich geht es dem Verein auch ums Musizieren. Die kleine, aber sehr feine Konzertreihe UNERHÖRTES MITTELDEUTSCHLAND, die der Verein seit 2011 organisiert, widmet sich insbesondere dem unbekannteren musikalischen Erbe der Region. In Vergessenheit geratene Komponisten werden wiederentdeckt und zeitgenössische Werke uraufgeführt. Das Besondere daran: Die Konzerte finden oft in kleinen Orten statt, die nicht auf der Landkarte der üblichen Musikveranstaltungen stehen. Sie schaffen die Möglichkeit, Musik und Räume zu entdecken.